Aventura / Exploration 45: Konzept und Besonderheiten

Von Jimmy Cornell

Zeit meines Seglerlebens habe ich versucht herauszufinden, ob es so etwas wie das perfekte Fahrtenboot gibt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, habe ich einige Umfragen unter Fahrtenseglern und Bootsbauern durchgeführt. Aber je mehr ich es versucht habe, desto ferner schien das Ziel zu rücken.

Erst mit der Entscheidung, die Nord West Passage zu durchqueren, änderte sich alles. Ursprünglich plante ich, ein bereits existierendes Boot zu kaufen. Nachdem ich mich jedoch umgesehen hatte, bemerkte ich, dass ich die einmalige Gelegenheit hatte, ein Konzept zu entwickeln, das meinem vermeintlich idealen Fahrtenboot am nächsten kommt

Ich hatte enormes Glück, dass ich es schaffte, Stephan Constance, den Manager von Garcia Yachting und Allures Yachting, welche meiner Meinung nach die besten Aluminium Bootsbauer der Welt sind, und ebenfalls Olivier Racoupeau, einen von Frankreichs Top Yacht Designern, mit meinem Enthusiasmus anzustecken.

Meine Bedingungen waren klar: Ich wollte ein stabiles, schnelles, bequemes, funktionales und leicht zu handhabendes Boot, das perfekt geeignet für sowohl die Hohen Breiten als auch dem Segeln in den Tropen war. Alle der besten Eigenschaften meiner vorherigen Boote sollten in dem neuen vereint werden: ein unlackierter Aluminium Rumpf, ein Vor- und Achter-Kollisionsschott, ein Kielschwert, geringer Tiefgang, ein Kutter Rigg und mindestens zwei bequeme Allwetter Kojen auf jeder Seite.

Neu war, dass ich auf einen Deckssalon mit beinahe Rundumblick bestanden habe. Dies war etwas, das noch nie zuvor auf einer Kielschwertyacht versucht wurde. In erster Linie deshalb, weil die zusätzliche Last möglicherweise die Stabilität des Bootes beeinflusst. Indem er sich zurückgehalten hat, produzierte Olivier Racoupeau, was ich für die perfekte Lösung halte: einen komfortablen und geräumigen Deckssalon mit 270° Rundumblick ohne dabei die Stabilität oder das Aussehen der Yacht zu kompromittieren.

Es wurde viel Energie darauf verwendet, einen hohen Grad an Selbstständigkeit zu gewährleisten, was bedeutet, dass das Boot auch Einhand bedient und gesegelt werden kann. Alle wesentlichen Leinen sind ins Cockpit zu zwei elektrischen und zwei Haupt Winschen geführt. Als extra Sicherheitsvorkehrung sind beide der elektrischen Winschen mit einem leicht zugänglichen Notfall-Trennschalter ausgestattet.

Als alter Verfechter der traditionellen Antriebswelle, habe ich mich geweigert, einen Saildrive Antrieb auf diesem Boot einbauen zu lassen und bestand auf die klassische Anordnung.

Eine Zwei-Ruder-Konstellation zu wählen, war die logische Lösung für das Kielschwertboot mit wenig Tiefgang, da das leewärtige Ruder sich mit Fingerspitzengefühl würde steuern lassen, wie ich es bereits auf der Allures 45, testen durfte, welche mit der Exploration 45 viele Unterwassereigenschaften teilt.

Die zwei Aluminium Ruderblätter werden von einer kurzen Ruderleitflosse unterstützt. Als zusätzlichen Schutz sind in den oberen Teilen der Ruderblätter Quetschzonen eingebaut. Sollte das Ruder in einer Kollision nach oben gedrückt werden, würde dieser Bereich aus leichtem Material zerquetscht und zusammengedrückt werden, ohne dem Rumpf an sich Schaden anzufügen.

Jedes Steuerrad und Ruder ist mit einem unabhängigen Steuermechanismus ausgestattet. Im Notfall kann die Verbindung der beiden Steuermechanismen getrennt werden, so dass die Ruder unabhängig voneinander verwendet werden können. Dieses System kann auch dazu verwendet werden, dass je eines der Steuerräder ein Ruder steuert.

Die Aventura ist mit zwei komplett voneinander unabhängigen Autopiloten ausgestattet, von denen jeder das Boot mit entweder beiden oder nur einem Ruder steuern kann.

Um die CO2-Bilanz der Aventura so gering wie möglich zu halten, hat sie keinen Diesel Generator. Stattdessen wird ihr Energiebedarf durch erneuerbare Energien gedeckt: einen D400 Windgenerator, einen Sail-Gen Wassergenerator und eine 140 Watt Solaranlage.

Ebenso wie meine beiden vorherigen Boote, hat die Aventura einen 40 Liter Tagestank, der einen Meter höher steht als die Maschine, so dass der Treibstoff bedingt durch die Erdanziehungskraft zur Maschine gelangt. Dieser Tank wird alle vier bis fünf Stunden von Hand vollgefüllt, indem man eine Umfüllpumpe betätigt.

Ich habe bewusst auf ein automatisches Füllsystem verzichtet, so dass diejenige Person, die den Tank auffüllt tatsächlich sehen kann, was passiert. Der Schalter ist so positioniert, dass man einen Glasfilter und einen Wasserabscheider sehen kann, während man den Tank auffüllt. Auf diese Weise kann man sicherstellen, dass der Treibstoff der in den Tagestank gelangt immer sauber ist. Zusätzlich zu diesem vorgeschalteten Filter gibt es noch zwei weitere Treibstofffilter bevor der Treibstoff die Einspritzpumpe erreicht.

Um den Bug leicht zu halten, befindet sich der Kettenkasten und die Ankerwinsch am Fuße des Masts, so dass das Gewicht zentral bleibt. Für Anlegeleinen ect. ist eine elektrische Winde am Bug montiert.

Für den Heckanker gibt es in einem Ankerkasten, welcher von der Heckplattform aus bedient werden kann, eine permanent installierte Ankerrolle mit 50 Metern bleihaltiger Ankerleine. Die selbe Rolle bedient außerdem eine 50 Meter lange Festmachleine.

Als wichtige Sicherheitsmaßnahme kann die 8-Personen Rettungsinsel leicht auch von dem schwächsten Mitsegler ins Wasser gelassen werden, da sie in einem speziellen Fach im Heck verstaut ist, von wo aus sie direkt über die Plattform ins Wasser gelassen werden kann.

Es gibt noch viele weitere Einrichtungen, welche die Aventura zu einem bequemen und angenehmen Segelboot machen. So zum Beispiel das Kombinations-Kajüttdach, welches sich über den vorderen Teil des Cockpits spannt, so dass dort eine geschützte Ecke für den Segler auf Wache entsteht, von wo aus er direkten Zugang zu den Navigationsgeräten hat.


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